Politkolumne: Niemand ist perfekt

Medienmitteilung

Politkolumne: Niemand ist perfekt

Danielle C. Hefti: «Sie sagt, sie sei grün. Deshalb ernährt sie sich vegan. Aber letztes Jahr ist sie dann doch mit dem Flugzeug in die Ferien geflogen.»

Niemand ist perfekt

«Sie sagt, sie sei grün. Deshalb ernährt sie sich vegan. Aber letztes Jahr ist sie dann doch mit dem Flugzeug in die Ferien geflogen!» Empörte Aussagen wie diese weisen auf scheinbar widersprüchliches Verhalten von Personen hin, die ihren eigenen ökologischen Fussabdruck minimieren möchten. Und natürlich, ich kann das Argument nachvollziehen. Aber wohin führt uns dieses ständige Zeigen auf vermeintliche Fehler anderer? Wenn der Anspruch ist, sich durchgehend «fehlerfrei» nachhaltig zu verhalten, würde sich niemand auch nur die Mühe machen, etwas in diese Richtung zu tun. Denn niemand ist perfekt. Vielmehr sollten wir solche «alles oder nichts»-Denkweisen aufgeben und uns gegenseitig ermutigen, so nachhaltig wie möglich zu leben. Jede Handlung, so unbedeutsam sie auch scheinen mag, hat eine Wirkung. Ja, der Flug der Person im Beispiel hat Treibhausgase ausgestossen. Doch durch ihre vegane Lebensweise spart sie gleichzeitig auch enorm viel CO2 ein. Würde sie häufig Fleisch essen, wäre ihr ökologischer Fussabdruck wesentlich grösser.

Während das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auf individueller Ebene wichtig ist und in der Summe durchaus nicht nur einen Tropfen auf den heissen Stein darstellt, reicht das allein nicht aus. Mindestens so bedeutsam ist die gesellschaftliche Ebene: Dass wir die Rahmenbedingungen schaffen, um Innovationen mit dem Ziel «Netto Null» auf grosser Skala zu ermöglichen. Dass auch im Kanton Glarus Anreize für Entwicklungen im «cleantech»-Bereich in Unternehmen gesetzt werden. Wieder in der Höhle zu wohnen, ist keine Option. Aber so weiterzumachen wie bisher ist auch keine Lösung. Deshalb müssen wir als Schweiz – mit den besten Voraussetzungen dafür – eine Vorreiterrolle in der Forschung für nachhaltige Technologien einnehmen. Davon können wir nicht zuletzt auch wirtschaftlich profitieren. Und es ermöglicht uns mittelfristig, auf Verzicht zu verzichten. Damit wir – gemeinsam mit Millionen anderer – in Zukunft mit synthetischem, CO2-neutralem Treibstoff und ohne Flugscham in die Ferien fliegen können.