Politkolumne: Für Beruf und Familie

Medienmitteilung

Politkolumne: Für Beruf und Familie

 

Priska Müller Wahl, Landrätin Glarus Nord:

 

Dank dem Familienbetrieb zu Hause hatte ich als Vorbild immer zwei berufstätige Eltern, genau wie meine Freundin mit Bauernhof. Auch wir Kinder durften (oder muss­ten) mithelfen. Im Rückblick bin ich überzeugt, dass ich bei diesen Kinderjöblis neben der Schule ganz viele wichtige Sachen fürs Leben lernte.

Weshalb soll die sog. Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die ja vor 50 Jahren natür­lich funktionierte, nun z.B. bei der Kinderbetreuung staatlich mitgefördert werden? 

Als vor ca. 20 Jahren die Kinderplanung bei uns aktuell war und ich gerne ins Glarner­land zurückkehren wollte, mussten mein Mann und ich erfahren, dass unsere geliebten Jobs sich nicht so einfach mit der Familienarbeit verbinden lassen. Die Arbeitswege sind weiter, die Arbeitszeiten weniger flexibel als im elterlichen Familienbetrieb. Müs­sen wir uns nun für oder gegen Weiterführung der Berufstätigkeit entscheiden, obwohl unsere Berufserfahrung gefragt war? Oder soll ich, wie viele engagierte Forscherinnen an Universitäten bewusst auf Kinder verzichten?

So mussten wir die Frage der Vereinbarkeit sehr schnell lösen. Dabei hatte ich etwas Glück beim Jobwechsel als Schwangere. Und dank der Krippe am Arbeitsort und dem Engagement der Arbeitge­berin konnten wir Beruf und Familie verbinden. Dies war wohl mitentscheidend, dass ich dort in vielseitigen Funktionen immer noch arbeite. Dank etwas Flexibilität von vie­len konnte ich auch mein politisches Freizeitamt im Landrat weiterführen.

Meine Bi­lanz: Es profitieren alle, welche sich für die Vereinbarkeit eingesetzt haben: meine Ar­beitgeberin und die Familie ganz direkt, der Staat durch zusätzliche Steuern, Sozial­abgaben, ehrenamtliche Tätigkeiten und langfristig auch dank guter Sozialvorsorge. Deshalb engagiere ich mich auch politisch, dass es für die heute unterschiedlich ge­lebten Familien-Arbeitsmodelle nachhaltige Lösungen gibt, um Arbeit und Familie zu verbinden. Dank der Digitalisierung ist flexibleres Arbeiten für Väter und Mütter mög­lich, die Familien-arbeit eher aufgeteilt und externe Kinderbetreuung beliebt bei Eltern und Kinder. 

Heute fehlen zudem vielerorts Fachkräfte und in den nächsten Jahren braucht es mehr Erwerbstätige, um die wichtigen Sozialwerke nachhaltig zu sichern. Schweizweit und auch im Kanton Glarus haben wir ein ungenutztes Potenzial an Arbeitskräften während der Familienphase. Aber weil es kompliziert ist, arbeiten viele ab Familiengründung nur tiefprozentig, obwohl sie gerne mehr möchten. 

Setzen wir hier in der Politik die richtigen Anreize? 

Das überparteilich positive Echo auf unsere Motion «zur langfristigen Erhaltung vor­schulischer Kinderbetreuung» freut mich: Politik für Beruf und Familien soll sich für alle lohnen!